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Onlinebewerbungen: Scheitern in sechs Schritten

28.05.2015 von Elke Whelan


SCHRITT 1: ABSENDERDATEN? JE KREATIVER, DESTO AUFFÄLLIGER!
Den ersten Eindruck haben Sie schon hinterlassen, bevor wir Ihre Bewerbung öffnen! Der E-Mail-Absender roman.a_muell10@chello.at ist zugebenermaßen einzigartig, aber leider nicht wirklich aussagekräftig. Für den Leser ist nicht nachvollziehbar, wer sich hier bewirbt. Bei fromhell@atheist.com ist zweifellos Humor im Spiel. Nur stellt sich die Frage: Ist Humor im Bewerbungsprozess hilfreich? Kann man diese Adresse also auch bei Bewerbungen verwenden? Why not? Personaler erfahren so weder den Vor-, noch den Nachnamen. Auch sonja_schmusekatze@gmx.at und gruntingtiger4u@hotmail.at liegen in diesem Zusammenhang ganz weit vorne.

SCHRITT 2: KORREKTURLESEN? DAFÜR HABE ICH JETZT KEINE ZEIT!
Die Onlinemaske des Bewerbungsformulars ist schnell ausgefüllt, eine Mail-Nachricht ist schnell geschrieben, schnell verschickt und schnell gelesen. Bei dieser Hektik sind Rechtschreibfehler, Tippfehler und ungenaue Formulierungen vorprogrammiert. Aber, so what? Seit Whatsapp nutzt man eh keine Groß- und Kleinschreibung mehr. Hält nur auf. Kostet Zeit. Von ganzen Sätzen und Kommaregeln ganz zu schweigen. Man weiß doch auch so, was gemeint ist. Klare Sache. Das ist es auch für den Personaler. Der legt nämlich in Null-Komma-Nix Ihre Bewerbung ins „Leider nein“-Kisterl. So what?

SCHRITT 3: MOTIVATIONSSCHREIBEN UND CV? DA PACKE ICH JETZT ALLES REIN!
Endlich. Ins Motivationsschreiben kommt alles rein, was im Leben so passiert ist. Das ganze eigene Leben auf zwei Seiten, wie stellt sich die Firma das denn vor? So oder so ähnlich muten die Gedankengänge an, die hier manchen Bewerbern die Feder führen. Aber: Das Rasenmähen bei Opa und das gelegentliche Babysitten bei der Nachbarin weisen ebenso wenig auf Stressresistenz hin, wie das Wahlfahrten nach Mariazell kein Zeichen von analytischer Denkweise ist. Aber so kann sich doch der Recruiter was Passendes aussuchen, für irgendeine Position wird die Info schon interessant sein. Leider nein und es ist so schade, weil der angegebene Werdegang doch durchaus über Potenzial verfügt. Wer allerdings keine Schwerpunkte setzen und den Fokus nicht auf relevante Positionen im persönlichen Lebenslauf lenken kann, der verirrt sich und verliert auch die Aufmerksamkeit der RecruiterInnen.

SCHRITT 4: BEWERBUNGSFORMULAR? ICH WILL LIEBER DIREKT IN KONTAKT TRETEN!
Ständig stößt man auf Reglementierungen: Zeilenbegrenzungen, Formatierungen, Layout oder Schriftgröße - alles ist genormt. Diese Zwänge umgeht man ganz leicht mit einem E-Mail. Herrlich, hier geht alles ganz ungezwungen und leicht von der Hand. Also einfach die Online-Maske ignorieren, Mail aufsetzen an (office@...) und rein mit dem Anschreiben. Und am Ende das Ganze mit sonnigen Grüßen abschließen und einen schönen Tag wünschen. Ja, das genügt schon so. Nein, nicht wirklich. Wenn eine Online-Bewerbung gefordert ist, dann hat das seinen Grund. Wer diesen Schritt umgeht, verzögert den Prozess und nimmt keine Abkürzung.

SCHRITT 5: ZEUGNISSE? JUHU, DA HABE ICH VIELE!
Jetzt geht´s los. Die Seminarzeugnisse und Teilnahmebestätigungen – alles muss mit, egal ob in TRF-, TDM-, RTF- oder LZW-Formaten. Nur kann man diese Dateien mit den gängigen Office-Programmen leider nicht öffnen – übrigens auch nicht in komprimierter Form. Was schickt man alles mit der Onlinebewerbung mit? Also: Wichtig ist uns eine PDF-Datei mit allen relevanten Seiten (Anschreiben, Lebenslauf und für die Stelle relevante Zeugnisse). Bitte keine Urkunde vom Stand up Paddel-Crashkurs und auch kein auf der Japanreise erworbenes Ikebana-Zertifikat. Die Positionen, für die sie diese brauchen sind in Österreich so rar, dass sie bei Bedarf ohnehin nachgereicht werden können. Davon, dass Sie eine Fachhochschule erfolgreich abgeschlossen haben, gehen wir aus, wenn es in Ihrem CV angeführt ist.

SCHRITT 6: BEWERBUNGSFOTO? ÜBERBEWERTET!
Unter dem Motto „Ich mache das sowieso mit meiner Ausbildung und meiner Erfahrung wett, wenn ich erst mal persönlich überzeuge, ist das Foto pille palle“ wird schnell mit einem Selfie vom letzten Urlaub - wallendes Haar, Hot Pants und bauchfrei posierend - der CV verschönert oder das Reisepassfoto abfotografiert oder Facebook-Fotos vom gemeinsamen Alkoholgelage mit Freunden beim letzten Aprés Ski mitgeschickt. Yeeaah Baby, c´mon. Ehrlich, es gibt fast nichts, was wir noch nicht gesehen haben... Überzeugen mit der Persönlichkeit? Sofern es dazu kommt. Vielleicht. Klar, nicht jeder kann ein Vermögen in einen Fotografen investieren. Aber das muss man auch gar nicht. Nutzen Sie Facebook einmal, um nach guten (aber günstigen) Fotografen zu fragen. Vielleicht gibt es ja auch die eine oder andere Verwandt- oder Bekanntschaft, die es gut mit Ihnen meint und Sie unterstützt? Ein weniger gut geeignetes Foto ist zwar kein absolutes K.-O.-Kriterium, aber auch keine konkrete Hilfe.

Genug der liebevollen Verstörung, jetzt mal ernsthaft:
Es gibt zahlreiche Internetplattformen, gute Zeitungsartikel und nicht zuletzt unseren Blog, wo Sie sich über die To-dos beim Bewerben informieren können. Investieren Sie in etwas Recherche.

Bleiben Sie in Ihrer Bewerbung klar und strukturiert. Hier gilt immer noch: Weniger ist mehr! Laden Sie Ihren kurz und kernig gestalteten CV für Stellen hoch, für die Sie die Qualifikationen, aber auch den Willen zur Veränderung mitbringen. Laden Sie nur relevante Dateien hoch und lächeln Sie, wenn Sie den UPLOAD-Button drücken! ;O)

Und P.S. Achten Sie bitte im Internet grundsätzlich darauf, mit Ihren Likes, Tweets und Pins nicht die ganze Welt über Ihre persönlichen und privaten Vorlieben und Meinungen zu informieren. Das Netz vergisst nichts!

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